Polizeilicher Umgang mit Opfern von Menschenhandel zur sexuellen Ausbeutung

Entwicklung eines interdisziplinären Handlungskonzeptes für die polizeiliche Arbeit

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978-3-947502-76-9

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Polizeilicher Umgang mit Opfern von Menschenhandel zur sexuellen Ausbeutung

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Die vorliegende Thesis wurde von Sophia Weller, Kriminalkommissaranwärterin der 79. Ausbildungsgruppe, erstellt. Die Erarbeitung der Thesis fand im Zeitraum vom 26.09.2022 bis zum 29.12.2022 statt. Eine Kontaktmöglichkeit besteht über die Hochschule des Bundes – Fachbereich Kriminalpolizei; Bundeskriminalamt, 65173 Wiesbaden.
Forschungsgegenstand der Arbeit war die Zusammenarbeit von Fachberatungsstellen und Polizei bei der Bekämpfung von Menschenhandel zur sexuellen Ausbeutung in Deutschland mit der Zielsetzung der Entwicklung einer Handlungskonzeption für die Optimierung der Zusammenarbeit. Die Handlungskonzeption gliedert sich hierbei in zwei Varianten: Ein erstes Handlungskonzept befasst sich mit dem Umgang mit ausländischen Opfern von Menschenhandel zur sexuellen Ausbeutung am Beispiel der nigerianischen Opfergruppe. Die zweite Variante der Handlungskonzeption setzt sich mit dem Umgang mit der inländischen, deutschen Opfergruppe des Phänomens auseinander.
Um ein praxisnahes Bild zu ermöglichen wurde die Forschungsfrage nicht nur anhand theoretischer Quellen untersucht, sondern darüber hinaus im Prozess der Themenerarbeitung zwei semistrukturelle Experteninterviews mit jeweils einer Vertreterin der Polizei und einer Vertreterin einer Fachberatungsstelle durchgeführt. Damit konnte ein interdisziplinäres, realistisches Bild der aktuellen Zusammenarbeit von Polizei und Fachberatungsstellen in Deutschland geschaffen und strukturelle Probleme in der jetzigen Handlungskonzeption analysiert werden. Die Ergebnisse beider Forschungsmethoden wurden in die Arbeit an integriert und konnten schließlich zu der Beantwortung der Forschungsfrage führen.
Die festgestellten Problematiken der Zusammenarbeit beider Akteure bei der Bekämpfung von Menschenhandel zur sexuellen Ausbeutung konnten nicht auf die erstellten Handlungskonzeptionen und Kooperationsvereinbarungen in Deutschland oder auf ein Defizit an menschlicher Kompetenz bei den jeweiligen Mitarbeitern zurückgeführt werden. Vielmehr konnte am Ende der Arbeit festgestellt werden, dass eine fehlende Schwerpunktsetzung bei den politischen Verantwortungsträgern in Deutschland zu strukturellen Problemen in der Bekämpfungsstrategie führen, welche sich negativ auf die Zusammenarbeit und die Identifizierung, sowie den Umgang mit den Opfern auswirken. Der Umgang mit Opfern von Menschenhandel zur sexuellen Ausbeutung hat nicht nur eine hohe menschenrechtliche Relevanz, sondern ist auch von hohem strafrechtlichem Interesse. Ohne ein Vertrauen der Opfer in die Strafverfolgungsbehörden, sinkt deren Aussagebereitschaft in einem Ermittlungsverfahren und ohne den Personalbeweis ist ein Ermittlungsverfahren mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit erfolglos. Ein vertrauensaufbauender Umgang mit den Opfern fordert personelle und zeitliche Kapazitäten, welche weder Fachberatungsstellen noch Polizei in Deutschland haben. Dieser Problematik kann nur begegnet werden, wenn eine Priorisierung der Bekämpfung von Menschenhandel zur sexuellen Ausbeutung in der Politik vorgenommen und infolgedessen eine entsprechende Ausstattung der Akteure veranlasst wird.

 

Vorwort von Silke Birgitta Gahleitner

Menschenhandel mit dem Zweck der sexuellen Ausbeutung führt i.d.R. zu einer fundamentalen Erschütterung der grundlegenden (Selbst-)Wahrnehmungsprozesse sowie der Vertrauensstrukturen umgebender Personen. Janoff-Bulman beschrieb dieses Erschütterungsphänomen bereits 1985 mit der Begrifflichkeit „shattered assumptions“. Neben dem Gefühl massiver Ohnmacht führt Menschenhandel mit dem Zweck der sexuellen Ausbeutung häufig auch zu Isolationsphänomenen. Vertrauen in eine andere Person oder Institution zu setzen, bedeutet für die Betroffenen von Zwangsprostitution nicht selten eine Gefahr, da gerade fehlinvestiertes Vertrauen die Ausbeutung häufig begünstigt hat. Entsprechend sind Versuche, gesunde Kontakte und Beziehungen einzugehen, erschwert. In der Sozialen Arbeit sprechen wir von „hard to reach“-Problematik (Brackertz, 2007). Es fehlt an den notwendigen sicheren Bindungsmustern. Die erlebten Grenzüberschreitungen und die dabei empfundenen Gefühle von Einsamkeit und Isolation können sich manifestieren. Da die eigenen persönlichen Grenzen für die Betroffenen i.d.R. weder gut spürbar noch vermittelbar sind, besteht zudem die Gefahr von Reinszenierungen und erneuten Ausbeutungssituationen und damit von Reviktimisierungen (vgl. bereits Russell, 1986). In dieser zerrütteten Situation bedarf es professioneller Beziehungs- und Umfeldarbeit (Gahleitner, 2017, 2020), um erste Schritte in eine konstruktive Vernetzung, Kooperation und Lebensrealität wagen und vollziehen zu können.

Die soeben angedeutete Problematik macht ein auf Kooperation angelegtes Unterstützungsverhältnis zwischen den Betroffenen selbst und den in der Praxis tätigen professionellen Akteur*nnen erforderlich. Die Kooperation muss auf unterschiedlichen Ebenen stattfinden. Der – im Wortursprung auf das lateinische „cooperatio“ zurückgehende und Mit- und Zusammenwirken bedeutende – Begriff wird als Wunsch bzw. Forderung in Bezug auf die Präventions- und Interventionsarbeit im Zusammenhang mit Menschenhandel mit dem Zweck der sexuellen Ausbeutung zahlreich gefordert (u.a. Völschow & Gahleitner, 2021). Kooperation in diesem Feld erfordert eine engmaschige Vernetzung auf der Ebene der beteiligten Berufsgruppen. Erfolgreiche Vernetzung und Kooperation bedingt dabei auch, dass den beteiligten Professionen – bislang bestimmten Berufsgruppen vorbehaltene – Handlungsmöglichkeiten bekannt bzw. vertraut sind, um letztlich eine gut aufeinander abgestimmte und in sich konsistente Prä- und Interventionsarbeit leisten zu können.

Die vorliegende Publikation von Sophia Weller zur Zusammenarbeit von Fachberatungsstellen und Polizei bei der Bekämpfung von Menschenhandel zur sexuellen Ausbeutung in Deutschland mit der Zielsetzung der Entwicklung einer Handlungskonzeption für die Optimierung der Zusammenarbeit leistet hier – von der Arbeit der Polizei aus in die Soziale Arbeit hinein – einen wertvollen Beitrag. Über Expert*inneninterviews mit dem Polizei- wie auch dem Sozialarbeitsbereich hat sie sich der Problematik vielschichtig angenähert und diese inhaltsanalytisch auf Elemente einer fruchtbaren Zusammenarbeit hin ausgewertet. Zudem erstellt sie ein empirisch basiertes Handlungskonzept nicht nur für Betroffene von Menschenhandel zur sexuellen Ausbeutung aus dem Ausland – am Beispiel der nigerianischen Opfergruppe – sondern auch für den Umgang mit inländischen, deutschen Betroffenen.

Sophia Wellers Resümee, eine fehlende Schwerpunktsetzung bei den politischen Verantwortungsträgern in Deutschland führe zu strukturellen Problemen in der Bekämpfungsstrategie, die sich negativ auf Zusammenarbeit und Identifizierung sowie auf den Umgang mit den Opfern auswirken, gibt vor dem Hintergrund der Istanbul-Konvention (UNHCR, 2004) zu denken. Der Umgang mit Opfern von Menschenhandel zur sexuellen Ausbeutung hat nicht nur eine hohe menschenrechtliche Relevanz, sondern ist auch ein Anlass zur Reflexion, inwiefern unsere gesellschaftlichen Strukturen das Wirken von Täterkreisen und -netzwerken begünstigen. „Für eine wirksame Bekämpfung ist demnach zunächst eine angemessene Ausstattung von Fachberatungsstellen und Polizei erforderlich“ (Weller, 2024, S. 51).

Ich wünsche der Publikation von Sophia Weller viel Erfolg, mit dem Ziel einer konzertierteren Unterstützung der Betroffenen im interprofessionellen Feld, auf Basis dieser gelungenen interdisziplinären Forschungsarbeit!

Berlin, 06.12.2023 Silke Birgitta Gahleitner

 

Zusätzliche Informationen

Buchart:

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Sprache:

Deutsch

Produktmaße:

Erscheinungstermin:

Januar 2024

Urheber:in:

Sophia Weller

ISBN:

978-3-947502-76-9

Seitenanzahl:

102

Auflagenummer:

Erste Auflage

Produktart:

Buch

Ausführung:

Download (PDF)

ISBN:

978-3-947502-76-9

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