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Klara Klanner
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Trotzdem ein gutes Leben!
Trotzdem ein gutes Leben!
Klara Klanner ist 63 Jahre alt, sie lebt seit 45 Jahren in einer guten und glücklichen Beziehung mit einem Mann, sie haben einen großen gemeinsamen Freundeskreis und eine gute sozialräumliche Einbettung. Nach einigen Jahren im Sozialbereich war sie als Historikerin tätig, mit dem Forschungsschwerpunkt NS-Regime und dessen Auswirkungen bis heute. Auch konnte Klara Klanner die jahrelangen sexuellen Übergriffe durch ihren Stiefvater dank langjähriger therapeutischer Begleitung weitgehend aufarbeiten, ebenso den schwierigen Umgang ihrer Mutter und ihres Stiefvaters mit ihr, nachdem sie beide damit konfrontiert hat. Eine ihrer Überlegungen für die Zeit nach ihrer beruflichen Tätigkeit und nach dem Tod ihrer Mutter war, ihre Geschichte aufzuschreiben. Dies war ihr jedoch erst 2025, als Grundlage für die Anhörung seitens der Unabhängigen Kommission des Bundes zur Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch möglich: Sie erstellte das vorliegende „Dossier“ – indem sie ihre jahrzehntelange Kompetenz des Schreibens als Historikerin nutzte.
War dies – so könnte man sich fragen – überhaupt noch nötig oder sinnvoll? Bedeutet ‚weitgehend aufarbeiten‘, mit dem Thema ‚durch‘ zu sein, quasi ‚fertig‘. Das Dossier zeigt uns etwas anderes: Bewältigungsprozesse früher Gewalterfahrungen begleiten Betroffene lebenslang und entfalten eine große Komplexität. Anschaulich schildert Klara Klanner diesen mäandernden Prozess, der sich über viele Jahre, viele Versuche, viele Rückschläge, aber auch Erfolge erstreckt. Sie beschreibt ihre langsame Bewusstwerdung der Übergriffe und vor allem die jahrelange und schwierige Geschichte nach der ersten Konfrontation mit Mutter und Stiefvater, die von deren Schuldeingeständnis, darauffolgenden Verdrehungen, Verdrängungen und zuletzt auch Schuldzuweisungen geprägt ist. Klara Klanner erzählt dabei auch von ihren Retraumatisierungen, die verdeutlichen, wie fragil ihr Lebensfundament trotz langjähriger Therapien immer wieder sein kann. Andererseits bringt sie zum Ausdruck, wie hilfreich ihr Gespräch mit Vertreterinnen der Kommission war verbunden mit dem Wunsch und der Hoffnung, allen, Überlebenden, die dieses Dossier lesen, Mut zu machen, sich an die Kommission zu wenden.
Wertvoll sind auch die Einblicke in die Möglichkeiten, künstlerische Prozesse bei der Aufarbeitung von traumatischen Erfahrungen einzubeziehen. Klara Klanner beschreibt ausführlich, wie sie, gemeinsam mit einer eng befreundeten Malerin und Fotografin, aus einer großen, gestrickten Tischdecke – siehe dazu das Titelbild – das Kunstprojekt „Entstrickung“ entwickelte, das die vielfältige Symbolik der Tischdecke, eines letztlich unwirksamen Versöhnungsgeschenks ihrer Mutter, verdeutlicht. Aber vor allem gibt Klara Klanner einen Gesamtblick auf ihr Leben als Überlebende (nicht: Opfer!) sexualisierter Männergewalt. Sie verkörpert damit, was Busch, Dill und Mosser sehr treffend als „public individuation“ (Busch/Dill/Mosser 2020: 321) Betroffener bezeichnen, die in ihrem eigenen Aufarbeitungsprozess auch professionell zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt und von Unrechtserfahrungen insgesamt beitragen.
Deutlich wird: Die Möglichkeit, ihre Geschichte endlich aufzuschreiben und sie darüber hinaus durch die vorliegende Publikation auch „öffentlich“ zu machen, war ein weiterer wichtiger Schritt auf dem Weg der Aufarbeitung, jedoch auch eine Chance für uns alle und die Gesellschaft, wertvolle Einblicke zu erhalten, Aufarbeitungsprozesse zu verstehen und zu unterstützen.
Berlin, 30.12.2025 – Silke Birgitta Gahleitner
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17.04.2026
Klara Klanner
9978-3691010145
58
Erste Auflage

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